Protokoll zum Projekt "Kölner Kunstpilze" - laut gedacht
Sonntag, 08.03.2015:
Bei einer Besprechnung auf dem Balkon Arnulfstr. 19 kam die Idee auf, die Heinzelmännchen-Sage in neuer Version künstlerisch umzusetzen. Dazu würde es sehr gut passen, mit Zwergen aus gebranntem Ton zu arbeiten und diese an Beton-Wetterpilze anzubringen.

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Mittwoch, 07.05.2014:
Die Einladung zu einem Tag des offenen Ateliers mit Keramik-Brand brachte eine neue Idee: Betonpilze als Leinwand für Keramik-Kunst. Zwei Materialen, die optimal zueinander passen. Man könnte Keramik-Schalen brennen und -wie Fliesen im Bad- auf den Stamm aufkleben. Man stelle sich mal einen grauen Betonpilz mit dutzenden leuchtender Keramik-Elementen vor.

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Sonntag, 23.02.2014:
Als Leinwand ist eine Säule in eine Richtung unbegrenzt bzw. in sich selbst überführend und räumlich. Im Grunde nicht besonders gut geeignet um bemalt zu werden. Doch für den Maler bietet sich dadurch die Option einer echten Endlosschleife, und für den Betrachter ist es ein spannender Rollentausch - die Säule ist mehr Plastik als Bild, hängt nicht mit dem Rücken an einer begrenzenden Museums-Wand. Dort steht der Betrachter, und -da der Wetterpilz keine Mauern hat- ist hier der Rest der Welt das Museum.

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Freitag, 14.02.2014:
Was fällt spontan ein bei Betrachtung der rund 30 Kölner Wetterpilze -wenn man diese kreativ behandeln möchte- auf? Z. B. der Pilz im Toni Steingass - Park. Dieser buhlt förmlich um eine Behandlung mit Toni-Steingass Texten; oder um eine andere Bezugnahme zum Namenspatron des Parks. Aber liegt bei Wetterpilzen als "verstreute" und die gesamte Stadt umspannende Objekte nicht eine gegenseitige, übergeordnete Bezugnahme näher als ihre jeweilige direkte Umgebung? Oder sollte -als ganz anderer Ansatz- eher das kindlich - naiv - überraschende Element der Pilze kreativ betont werden? Oder ist es besser, den Pilz ausschließlich als Substrat zu verstehen und bescheiden in den Hintergrund zu rücken? Oder sollten am Ende diejenigen die Gestaltung bestimmen, die in der Nähe der jeweiligen Pilze leben, so wie es ja z. B. bei den unsäglichen Graffiti der Fall ist. Was man diesen zugute halten muss ist deren Veränderlichkeit - auch ein Aspekt.

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Donnerstag, 13.02.2014:
Gedanken kreisen um einen Wetterpilz, um dessen Stamm sich kreisförmig die Zeilen eines Gedichtes drehen, und mit ihnen die Blicke der Menschen, die ihn umkreisen wie ein Saphir die Rillen einer Schallplatte. Oder ein Gemälde, das sich um den Stamm eines Wetterpilzes schmiegt, dort befestigt mit einem stählernen Netz aus Draht.

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Mittwoch, 12.02.2014:
Schon zu Beginn der Erschaffung der Wetterpilz-Sammlung stand die Frage im Raum in welche Richtung die Wogen dieser Leidenschaft ihre Freunde tragen werden. Sie einfach stehen zu lassen und den Frieden der Rätselhaftigkeit ihrer Erscheinung zu genießen war eine Antwort. In ihnen das ideale Substrat für gestalterische Ambitionen zu sehen, ein Substrat, das Kunst völlig schutzlos, offen und unmuseal den Gewalten der Natur und der dunklen Seite der Menschen überlassen soll, das dadurch aber die Kunst auf das Urvertrauen zurückzuwerfen versteht, war die andere Antwort.

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Dienstag, 11.02.2014:
Cafe Libretto Köln - eine alte Ausgabe einer Kunstzeitschrift. Dort blätterte ich und stieß in einem Artikel auf einige Zeilen aus Rilke-Gedichten. Ein unverhoffter Genuss - denn von der Schulzeit traumatisiert hätte ich wohl kaum gezielt nach Rielke Gedichten gesucht. Doch hier verströmten die Worte etwas Wohliges. Wohl auch, weil -anders als in der Schule- die Stimmung stimmte. Und was verströmt noch eine positive Stimmung? Der Wetterpilz.

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Worum geht es?

Es geht um das Projekt der Umgestaltung Kölner Beton-Wetterpilze hin zu Kunstwerken, hin zu echten Perlen Kölner Stadtkultur und hin zur Erschaffung von Zeugnissen für zeitgenössische künstlerische Schaffenskraft und einem neuen Bewusstsein für öffentliche Kunst der Menschen dieser über 2000 Jahre alten Stadt.
Was liegt in Köln näher als die Kunst - hier manifestiert am Wetterpilz, der an sich schon groß und vor allem öffentlich ist, sich aber darüber hinaus auch hervorragend als Substrat kreativer Bemühungen geradezu aufdrängt. Das Öffentliche und Ungeschützte ist eine der faszinierendsten und darüber hinaus auch ureigendsten Eigenschaften des Wetterpilzes. Und Köln als Hauptstadt und Wiege des Wetterpilzes in Beton-Bauweise soll nun endlich auch Vorreiter einer neuen "Kunst im öffentlichen Raum", umgesetzt an seinen Wetterpilzen werden. Diesem Gedanken geschuldet finden sich hier alle Schritte des mit den "Kölner Kunstpilzen" vielleicht großartigsten öffentlichen Kunstprojektes der letzten 50 Jahre auf Kölner Boden protokolliert.